Blockchain im Gesundheitswesen

28.03.2018

Wer implementieren will, muss auch informieren

Im Gesundheitswesen schreitet die Digitalisierung nur langsam voran. „Wir befinden uns noch im Zeitalter des Faxes”, sagt Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Sagen wir mal so: Während die einen noch mit Software aus den 90er Jahren arbeiten, sind die anderen geradezu experimentierfreudig. Zum Beispiel in Hinblick auf die Blockchain.

Mehr als digitale Luftschlösser

Der potenzielle Nutzen der Blockchain für das Gesundheitswesen ist dem Anschein nach zumindest so groß, dass sich damit längst auch Unternehmen auseinandersetzen, die nicht gerade in dem Ruf stehen, digitale Luftschlösser zu bauen. IBM Watson Health zum Beispiel erprobt gemeinsam mit der US Food and Drug Administration die Nutzung von Daten aus Wearables und anderen Internet-of-Things-Anwendungen mit Hilfe der Blockchain. Der Pharmakonzern Merck KGaA und der Blockchain-Spezialist CryptoTec AG haben gemeinsam auf Blockchain-Basis eine Lösung gegen Medikamentenfälschungen entwickelt. Und die Unternehmensberatung Deloitte hält in ihrer Studie „Blockchain – Einsatz im Gesundheitswesen” fest: „Blockchain-basierte Systeme können die Restriktionen und Kosten der derzeit an einem Datenaustausch involvierten Teilnehmer unter Umständen fast bis null reduzieren.”

Blockchain und eHealth-Gesetz passen zusammen

Ein Vorteil, der auf der Hand liegt: Durch den dezentralen und vergleichsweise sehr sicheren Zugriff über Blockchain könnte ein Datenaustausch für viele Player im Gesundheitswesen künftig einfacher werden. So könnten Krankenhäuser mit der Hilfe einer Blockchain fälschungssichere Rezepte ausstellen. Die Technologie ließe sich ferner zum Beispiel nutzen, um Medikationshistorien sicher zu speichern. Das passt zum eHealth-Gesetz, zu dessen Schwerpunkten die Etablierung eines digitalen Stammdatenmanagements für Versicherte zählt, dass es etwa Arztpraxen ermöglicht, auf die aktuellsten Patientendaten zuzugreifen.

Klar ist aber auch, dass Blockchain keine digitale All-Heil-Lösung ist. Der Austausch von großen Datenmengen, etwa einer MRT-Aufnahme, ist kaum sinnvoll, weil dadurch das System schnell an seine Kapazitätsgrenzen geführt würde. Kritiker bemängeln zudem den sehr hohen Energiebedarf der Blockchain-Technologie. Wer bisher damit wirbt, besonders nachhaltig zu agieren, sollte sich schon mal ein paar Argumente zurechtlegen, wenn er vor hat, in größerem Stil auf die Blockchain zu setzen. „Sollte Ihnen also jemand sagen, dass die Erfindung der Blockchain mit der Erfindung des Internets verglichen werden kann, seien sie skeptisch”, schreibt Alexey Malanov, Malware-Experte bei Kaspersky Lab, einem auf IT-Sicherheit spezialisierten Unternehmen.

Mehrwert und Sicherheit glaubhaft kommunizieren

Gerade im sensiblen und daher auch stark regulierten Gesundheitswesen reicht es nicht, die Euphorie rund um Blockchain nutzen zu wollen. Hier geht es auch darum, kommunikative Herausforderungen zu meistern. Ob sich bestimmte Anwendungen auf Basis von Blockchain durchsetzen, hängt gerade im Gesundheitssektor vom Vertrauen und unter Umständen der Zustimmung unterschiedlichster Stakeholder wie Patienten, Behandler, Krankenkassen oder Politik ab.

Wer eine entsprechende Technologie implementieren möchte, sollte daher viele kritische Fragen antizipieren und beantworten sowie Vertrauen und Partner gewinnen können: Welches Problem Ihrer Kunden und Partner wollen Sie mit der Blockchain lösen? Wie gehen Sie mit möglichen Risiken um? Warum sollte man Ihnen beim Thema Blockchain vertrauen? Es ist wie mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen ganz allgemein: Mehrwert und Sicherheit müssen bestehen und glaubhaft kommuniziert werden. Ansonsten werden wir noch lange Faxgeräte und vergilbte PCs sehen.

Sven Appel – Managing Editor Healthcare

von Hause aus Journalist und Vielschreiber, überlegt sich Themen, Geschichten und Formate – vor allem für Unternehmen, bei denen sich alles um die Gesundheit dreht.

sven.appel@fischerappelt.de

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